Berlin macht den Frauentag zum Feiertag, bei uns machen die Frauen die Feier

Auch wenn in der Metropolregion Rhein-Neckar der 8. März nicht zum offiziellen Feiertag ernannt wurde, haben wir doch Gründe genug, den heutigen Weltfrauentag zu feiern. Während die Party- und Konzertgänger ausgelassen feiern können, stehen sie eher im Hintergrund und schauen, dass alles funktioniert. Wir haben uns mit Macherinnen der EventKultur ausgetauscht und Einblicke in ihre Arbeit erhalten, die wir heute zu Ehre aller Frauen – insbesondere der Kulturereignisschaffenden – mit euch teilen wollen. Wir sprachen mit Nane aus der Villa Nachttanz in Heidelberg, Beate Vogel aus dem Gleis4 in Frankenthal und mit Melanie Köhler vom RUDE7 in Mannheim über weibliche Vorbilder, ihren Werdegang zur Eventbranche und über Clubs der Zukunft.

Welcher Vorbilder bedarf es, um mehr Frauen für die Livebranche zu gewinnen?

Nane: Das ist eine gar nicht so einfach zu beantwortende Frage. Ich denke, dass jede von uns einen kleinen Teil dazu beitragen kann, mehr Frauen für die Livebranche zu gewinnen, indem wir nach außen Präsenz zeigen und somit vermitteln, dass es möglich ist und nicht nur eine Männerdomäne ist und man als Frau sich sehr gut in diesem Bereich einleben kann. Man kann durch Treffen eine Sensibilisierung und einen offenen Austausch für diesen Bereich möglich machen und Frauen mit Interesse eine Plattform bieten. Denn ich denke, es bedarf keinem konkreten Vorbild, wir alle sind, so wie wir sind und arbeiten, Vorbild genug.

Melanie: Ich finde es bedarf nicht unbedingt bestimmter Vorbilder. Es reicht aus, sich für die Sache an sich und für die Arbeit zu begeistern. Da gerade Frauen oft ein Händchen fürs Organisieren haben, wundert es mich, dass im Veranstaltungsbereich so wenige Frauen vertreten sind.

Beate: Es bedarf Frauen, die mit viel Spaß ihren Job machen und es dennoch schaffen, Familie und Job unter einen Hut zu bekommen. Was zugegebener Maßen gerade in der Livebranche oft schwieriger sein kann als in anderen Branchen. Allein schon wegen der Arbeitszeiten, die oft bis in die Nacht gehen oder am Wochenende sind. Ich selbst hatte da keine Vorbilder.

Nane, staatlich gepr. Kfm. Assistentin für Handel und E-Commerce, derzeit Studentin und ehrenamtliches Mitglied in der Villa Nachttanz e.V. seit 2018.

Was war für Dich der Auslöser, im Event-/Livebereich zu arbeiten?

Nane: Ich geh gerne Feiern und ich habe dann in ganz kleinen Schritten angefangen das Haus mitgestalten zu wollen. Ich habe erst im Garten mitgewirkt und so kommt man natürlich unweigerlich in Gespräche mit anderen Mitgliedern und man fängt an, bei gewissen Themen selbst auch eine Meinung zu vertreten. Um dieser Meinung auch ein Gehör zu geben kam das erste Mal der Gedanke auf, hier Mitglied zu werden. Auch das ich mich mit den anderen Mitgliedern aus dem Team gut verstehe und ich wusste, dass es eine gute Zusammenarbeit geben würde, bestärkte meinen Entschluss noch mehr. Manchmal muss man einfach in das kalte Wasser springen, um zu merken, ob es einem liegt oder nicht. Dies hatte ich dann getan und bin auch schnell in den Verein rein gewachsen und habe mich auch damit vertraut gemacht, wie man eine Veranstaltung plant und auch ausführt.Dafür nahm und nehme ich auch in Kauf, dass ich nicht mehr auf jeder Party feiern kann aber es ist für mich das schönste Gefühl, wenn Menschen auf einer von mir geplanten oder einfach eine von mir als Hausdienst ausgeführten Veranstaltung Spaß haben.

Melanie: Der Eventbereich hat mich schon immer interessiert. Ich war schon früh in einem Netzwerk von DJs, MCs, Grafikern, Fotografen und Menschen die die gleichen Interessen hatten. Wir waren in der Drum’n’Bass, Raggajungle und Dancehall Szene unterwegs. Gerade die Dancehall-Szene war lokal kaum vorhanden. Dementsprechend haben wir selbst Partys und Konzerte organisiert und somit dafür gesorgt, dass die damals noch sehr kleine Szene wächst. Unsere Veranstaltungen fanden zuerst in verschiedenen Locations statt und nach ein paar Jahren schließlich im eigenen Club, RUDE7.

Beate: Ich habe das Gleis4 zusammen mit meinem Kompagnon Tiemo Feldmann gegründet, weil Ich Konzerte und kulturelle Veranstaltungen liebe und damit meine Leidenschaft zum Beruf gemacht habe. Es macht mir großen Spaß das Programm im Gleis4 zu planen und genau die Künstler und Formate anzubieten, die ich auch selbst richtig gut finde. Und wenn ich dann noch sehe, dass meine Gäste Freude daran haben und eine schöne Zeit bei uns verbringen – dann bin ich glücklich!

Wie sieht die Zukunft von eurer Location aus?

Nane: Ich hoffe doch, dass wir genauso bleiben wie wir sind und auch unsere Partys weiterhin ein Spaß für alle beteiligten sind (Hausdienst, unsere Helfer an der Kasse und an der Bar, Bands, DJs). Unsere Helfer, die alles ehrenamtlich machen, sind ein sehr großes Rad in unserer Location. Ohne sie würde hier keine Veranstaltung stattfinden können. Ich hoffe für die Zukunft auf genauso großartige Menschen, mit denen ich Zusammenarbeiten darf und auch kann.

Melanie Köhler
Bachelor of Arts (BWL & Messe-, Kongress- und Eventmanagement)
selbständig: Geschäftsführung RUDE7 Club, Mannheim gemeinsam mit ihrem Mann.
angestellt: Stadt Mannheim, FB Internationales, Europa & Protokoll

Melanie: Wir möchten nach wie vor Veranstaltungen durchführen, die uns auch selbst ansprechen. Da wir immer noch eine verhältnismäßig kleine Szene repräsentieren, steht und fällt der Erfolg der Veranstaltungen mit den nächsten Generationen, die sich für die Musik begeistern. Im Moment sieht es sehr gut aus, wir können zahlreiche Events im Bereich Urban-Musik durchführen.

Beate: Das Gleis4 hat sich nach 5 Jahren sehr gut etabliert und hat gute Zukunftsaussichten. Allerdings ist wie in fast jedem kulturellen Betrieb das Geld sehr knapp. Als wir im letzten Dezember einen Spendenaufruf zur Abfangung eines drohenden Defizits von 25.000€ gestartet haben, hat uns eine riesige Welle der Solidarität erreicht. Künstler, Gäste und Unterstützer haben es mit vereinten Kräften geschafft den Betrag innerhalb von 2 Wochen zusammen zu bekommen. Das hat uns echt überwältigt und auch gezeigt wie groß unser Rückhalt in der Region Frankenthal ist. Ein weiteres Problem ist, dass das Gelände auf dem sich das Gleis4 befindet, verkauft wurde und noch nicht sicher ist, ob das Gleis4 dort auch langfristig bleiben kann. Es bleibt also spannend.

Was war dein großartigstes Live-Erlebnis (vor oder hinter der Bühne)?

Nane: Das war im letzten Jahr, um genau zu sagen, an der Festivilla. Am letzten Abend hatte Cynthia Nickschas mit ihrer Band hier gespielt und alleine durch ihre Songs hatte ich eine Achterbahnfahrt der Emotionen. Sie waren der letzte Act und der ganze Stress der Vorbereitung und auch des Ausführenden Festivals fiel von meiner Schulter, ich tanzte, lachte und weinte. Danach saßen wir alle noch beieinander und irgendwann kam sie auf mich zu, eher gesagt, als es zur Verabschiedung kam und sagte folgendes zu mir: „Man sieht das du sehr viel Spaß hier an der Sache hast. Du bist eine Powerfrau. Mach weiter so und versprich mir eins, verliere niemals dein Lachen, dies hört man über den ganzen Platz und es ist so erfrischend.“ Dies war für mich der beste Moment!

Melanie: Die besten Live-Erlebnisse waren unsere ersten eigenen Open-Air-Konzerte, aber auch die Konzerte mit Künstlern wie General Degree, Beenie Man, Samy Deluxe, Max Herre, Afrob etc. Eins der am schlechtesten besuchten aber wunderbarsten Konzerte war Raging Fyah.

Beate: Wir hatten so viele tolle Bands und Künstler auf unserer Bühne, dass es mir schwer fällt mich auf ein Erlebnis festzulegen.

Wie sieht für Dich der Live-Club der Zukunft aus?

Nane: Für mich sieht der Live-Club der Zukunft folgendermaßen aus: Der Eintritt ist für jeden Bezahlbar.Es ist eine Location, die ihren regionalen Künstlern eine Plattform bietet, um Auftreten zu können. In dieser Location finden an unterschiedlichen Tagen, unterschiedliche Veranstaltungen statt und jede Sparte hat dort ein Zuhause. Wir haben ganz viele gute Künstler hier und diesen sollte man ein Zuhause geben. Und ich spreche hier nicht nur von DJs, auch Bands und Solokünstler sind da mit einbezogen. Wir haben zwar einige Locations in denen dies schon geschieht, aber man sollte überlegen ob diese wirklich ausreichend sind.

Melanie: Ich wünsche mir mehr Clubs mit einem Programm, das über die 0815-HipHop-, 80er/90er-, Ü-sonstwas-Partys hinausgeht. Ich wünsche mir mehr Clubs die weniger Dresscodes, sondern mehr die gemeinsame gute Zeit in den Vordergrund rücken. Und ich wünsche mir mehr Gäste und Clubgänger die über das Feiern nicht ihren respektvollen Umgang mit den Menschen in Ihrem Umfeld vergessen.

Beate Vogel
Gesellschafterin & Geschäftsführerin von Gleis4 gemeinnützige UG (Haftungsbeschränkt) Kulturzentrum Gleis4 Frankenthal
Verheiratet, 2 Kids (12 und 15 Jahre) Foto: Nadine von der Ruhren

Beate: Der Live Club der Zukunft ist nah dran an den Wünschen und Bedürfnissen der kulturellen Szene und fördert diese. Wichtig finde ich das hautnahe Erleben von Kunst und Kultur. Die Gäste sollten nah dran sein und mit den Künstlern in Kontakt kommen können.Vielen Dank an Nane, Beate und Melanie für ihre Einblicke. In den nächsten Wochen und Monaten werden wir an dieser Stelle weitermachen und euch mehr Einblicke hinter die Kulisse gewähren und spannende Mitglieder vorstellen. Wir wünschen allen einen tollen Weltfrauentag.

– Anna Blaich & Zora Brändle
Eventkultur Metropolregion Rhein-Neckar e.V.