Nach der Kür kommt nun die Pflicht

Eventkultur Rhein-Neckar, die Interessensvertretung von rund 40 Clubbetreibern, Veranstaltern und Kulturereignisschaffenden in der Metropolregion, gratuliert Mannheim zum Titel Unesco City of Music. Der Vorstand ortet aber noch Handlungsbedarf, um der Auszeichnung nachhaltig gerecht zu werden.

Mannheim, 04.12.2014 – Die Meldung sorgte für Jubelstimmung in der ganzen Metropolregion: Am Montag Vormittag gab die UNESCO bekannt, dass Mannheim in den Zirkel des Creative Cities Network aufgenommen ist und fortan das Label „Unesco City of Music“ tragen darf. Dass Heidelberg gleichzeitig zur „Unesco City of Literature“ ernannt wurde, machte die Aufbruchsstimmung perfekt.

Auch bei Eventkultur Rhein-Neckar sorgte die Bekanntgabe der Unesco-Entscheidung für große Zuversicht. Als wichtigste regionale Interessenvertretung der Musik-Veranstalter-szene erhofft sich der Verein Aufwind für alle Mannheimer Akteur_innen, egal ob es sich um Clubbetreiber, Agenturen, junge Bands oder die Musik-Medienlandschaft handelt. „Wir gratulieren der Stadt Mannheim zu diesem großen Wurf“, erklärt Felix Grädler, 1. Vorsitzender von Eventkultur Rhein-Neckar und Chef der Heidelberger Halle02, „der Einsatz des Teams rund um Rainer Kern war beeindruckend. Man hat gespürt, dass es ein aufrichtiges Bemühen um Aufbruchsstimmung gab.“ Den Titel sieht Grädler als große Chance: „Es ist höchste Zeit, dass wir die Stellung der Clubkultur in der politischen und gesellschaftlichen Betrachtung vor allem gegenüber der sogenannten Hochkultur vorantreiben. Ein Titel wie Unesco City of Music kann dazu beitragen, Clubkultur als wirtschaftlichen Standortfaktor zu positionieren.“

Trotz vieler positiver Vorzeichen sieht EventKultur Rhein-Neckar aber Handlungsbedarf, möchte man die Effekte so eines Titels wirklich ausschöpfen. Für Fabian Burstein, Leiter des Jugendkulturzentrum FORUM und seit Oktober im Vorstand des Vereins, geht es insbesondere auch um infrastrukturelle Impulse: „Wir sind potentiell der Club, den die Mannheimer Musikszene so vehement einfordert und haben allein im Herbst rund 40 Bands aus der jungen Szene eine Bühne gegeben. Dabei haben wir nicht einmal eine eigene PA mit Peripherie, wir müssen permanent improvisieren und zumieten. Aufgrund der steigenden Ansprüche von Bands und Publikum gerade bei internationalen Kooperationen ist es aber absehbar, dass wir an unsere Grenzen stoßen.“

Timo Kumpf, Mastermind des Maifeld Derby und Chef von Karakter Live, sieht auch die Förderstruktur auf dem Prüfstand. „Ich freue mich sehr, dass Mannheim den Titel ‚Unesco City Of Music‘ bekommen hat. Das zeigt, dass sich Stadt und Region im Aufbruch befinden“, erklärt Kumpf „ich erhoffe mir aber auch ganz konkret, dass wir für das Maifeld Derby eine größere finanzielle Unterstützung bekommen. Die Veranstaltung hat sich zum Aushängeschild der Region entwickelt, durch das Festival haben wir in den letzten vier Jahren viele hochkarätige Künstler ganzjährig in die Stadt geholt. Dafür gibt es zwar keinen Titel, aber der Maifeld-Derby-Motor hat dafür gesorgt, dass die internationalen Entscheider wissen wo Mannheim liegt. Insofern ist es naheliegend, dass es hier gerade aufgrund der Ansprüche rund um den Titel Unesco City of Music eine intensivere Unterstützung gibt.“

Sören Gerhold, Geschäftsführer der Alten Feuerwache in Mannheim, schlägt in eine ähnliche Kerbe, indem er strategische Investments in den Standort fordert: „Nun, da der Titel gewonnen ist, wachsen auch die Ansprüche, die von außen an Mannheim als Musikstadt gestellt werden. Dem wird man nur gerecht, wenn man mehr denn je natürliche Plattformen für Musiker bietet und die vorhandene Infrastruktur weiter ausbaut. Austauschprogramme und die Vernetzungen mit den Partnerstädten sind sicherlich sinnvoll, müssen aber auch finanziell ermöglicht werden. Hierfür werden entsprechende Mittel benötigt.“

Für Felix Grädler lässt sich die Stimmungslage in der Musikszene schnell zusammenfassen: „Alle sind überglücklich über den Titel Unesco City of Music, es war eine wirklich wunderbare Kür. Aber jetzt folgt eben die Pflicht.“